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Ökostrom vom Dach

Veröffentlicht in Presse

Von Manfred Müller


In Gröditz entsteht die mit 900 Quadratmetern größte Photovoltaik- Anlage in der Region.

Insgesamt 750 Solarmodule wurden in den vergangenen Wochen auf dem Dach der Bäckerei Raddatz in Gröditz installiert, 4000 Meter Solarkabel verlegt und die erforderlichen Wechselrichter aufgebaut. Ende November soll die Anlage in Betrieb gehen. Sie erzeugt eine Leistung von 160 Kilowatt, das entspricht dem Strombedarf von 40 Vierpersonen-Haushalten.

„Bäckereien sind energieintensive Betriebe“, sagt Firmenchef Werner Raddatz. „Da muss man sich schon aus Kostengründen Gedanken machen, dass nichts verschwendet wird.“ Die 1990 gegründete Bäckerei nutzt bereits seit sieben Jahren eine moderne Wärmerückgewinnungs-Anlage, die mittels so genannter Ökoblöcke die Abwärme der Backöfen für Heizung und Warmwassererzeugung nutzt. Das Solarkraftwerk ist der zweite Teil des Raddatzschen Ökoprojektes, dem bald eine dritte Ausbaustufe folgen soll: die Rückgewinnung von Energie aus dem Abwasser. „Auch hier wollen wir mit Wärmepumpen den grünen Daumen drauf legen“, erklärt Raddatz. Nicht nur in der Gröditzer Produktionszentrale braucht es zur Herstellung von Brot und Brötchen erhebliche Energien, auch in den 92 Filialen steigt der Stromverbrauch. Der Grund: Die Kunden wollen bis in den Abend hinein ofenwarmes, duftendes Gebäck kaufen.

Ein Gebot der Vernunft

Deshalb nimmt das Backen im Laden immer mehr zu, und auch die entsprechende Tiefkühl-Logistik bedeutet höheren Energieaufwand. Bei den steigenden Energiekosten ist es ein Gebot der Vernunft, alle Spar-Möglichkeiten auszuschöpfen. Die Stromausbeute der Raddatzschen Photovoltaik-Anlage wird nicht direkt zu den Öfen geleitet, sondern ins Mittelspannungsnetz eingespeist. Das heißt, der umweltfreundliche Strom gelangt, wenn nicht direkt in die eigenen Bäckerei, so doch zu Verbrauchern in der Region. Die Montage der Solaranlage wurde von einem Anbieter vorgenommen, der ebenfalls in der Region ansässig ist – der Firma Gröger-Haustechnik aus Frauenhain.

Nachhaltigkeit wird angestrebt

Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhält der Anlagenbetreiber eine Vergütung von 46,3 Cent pro Kilowattstunde. Der gesetzlich festgelegte Festpreis für Ökostrom muss vom Netzbetreiber auf eine Dauer von 20 Jahren garantiert werden. Mit Hilfe des EEG soll eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes ermöglicht werden. Im Jahr 2006 lag der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung in Deutschland bei 7,7 Prozent. Sachsen erwirtschaftet bereits 11,4 Prozent seines Strombedarfs mittels alternativer Energiequellen. Bis 2020 soll der Anteil für die gesamte Bundesrepublik auf 20 Prozent erhöht werden.

 

Quelle: sz-online/Sächsische Zeitung
Donnerstag, 29. November 2007